Wissenswert

Ich glaube weder an die unsägliche und überholte „Dominanztheroie“ in der Hundeausbildung, noch respektiere ich selbsternannte Hundeflüsterer (mit eigener TV Show), die ihre  teilweise haarsträubenden Trainingsmethoden, die auf Druck und Gewalt basieren, verbreiten. Diese „Trainer“ schaden den Hunden und der Beziehung zu ihrem Menschen enorm und langfristig.

Was eigentlich für jeden Menschen, der Empathie, Herz und Hirn besitzt, selbstverständlich sein sollte, muss leider auch heute noch immer wieder erklärt und mit Studien untermauert werden.

Eine Langzeitstudie aus Portugal über die Konsequenzen der Bestrafung im Hundetraining wurde Ende 2019 veröffentlicht:

https://www.welt.de/kmpkt/article203201334/Aversives-Training-und-Bestrafungen-stressen-Hunde-nachhaltig.html

https://www.businessinsider.de/wissenschaft/hunde-reagieren-negativ-auf-aversives-training-2019-11/

In den vergangenen 15 Jahren wurden die Hunde (endlich) mehr und mehr erforscht; Wissenschaftler haben inzwischen erkannt und belegt, was die unglaubliche Faszination und Einzigartigkeit des Wesens Hund ausmacht – und es macht Freude und gibt Hoffnung, dass auch namhafte Wissenschaftler  sich nicht mehr scheuen, von der Emotion LIEBE bei Hunden zu sprechen, nichts anderes ist ihre Hypersozialität und ihre Leidenschaft uns Menschen gegenüber!

„Hunde besitzen eine überhöhte, überschäumende und vielleicht sogar exzessive Fähigkeit, von Zuneigung geprägte Beziehungen zu Angehörigen anderer Spezies einzugehen“

(Aus dem Buch „…und wenn es doch Liebe ist?“ von Clive Wynne).

„Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten

bei diesem oder jenem Hund nicht ohne

Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den

Hund aus, sondern beschreibt erst einmal

seine eigenen Fähigkeiten.“

  Ute Blaschke-Berthold

Lernen passiert bei allen Säugetieren gleich – etwas Verstehen hängt zusammen mit dem gleichzeitigen Erleben von positiven Gefühlen. Die Lernprozesse werden auf diese Weise im Langzeitgedächtnis gespeichert, Lernen ist also abhängig von Erfolgserlebnissen!

 Misserfolge sind beim Lernen ebenso wichtig, schliessen jedoch Gewalt, Druck und Strafe, wie sie in der „schwarzen Pädagogik“ praktiziert wurde, ganz klar aus. Sowohl Mensch als auch Hund lernen besser, wenn sie sich dabei wohl fühlen.

Die geistigen Fähigkeiten der Hunde entwickeln sich über Lernprozesse, je mehr wir sie mit spielerischem und motiviert aufgebauten Training fördern, umso öfter wird er dieses erwünschte Verhalten anbieten und umso besser wird auch seine Lebensqualität. Und vor allem auch die seines Menschen, denn Training kann und soll vor allem Spass machen! Ein Hund ist heutzutage kaum mehr in der Lage, seine ursprünglichen Bedürfnisse wie Jagen, Beschützen, Bewachen etc. auszuleben. Qualitätszeit mit regelmässigen, kurzen Lernsequenzen fördert die Weiterentwicklung, die Anpassungsfähigkeit des Hundes an seine Umwelt und vermindert das Risiko von Verhaltensauffäligkeiten.

Das Übel mit der alten Dominanztheorie…

Der Hund will keineswegs in seiner Familie die Herrschaft übernehmen – er legt sich aufs Sofa, weil es bequem ist und er nahe bei seinen Menschen sein möchte, er drängt zur Tür hinaus, weil er sich auf den Spaziergang freut und wahrscheinlich sein Geschäft erledigen möchte – oft werden diese normalen Verhaltensweisen als Dominanz bezeichnet.

John Bradshaw, ein weltweit anerkannter Wissenschaftler forscht seit über 30 Jahren an der Universität in Bristol, England. Er beweist in seinem Buch, dass wir seit 100 Jahren durch die „Dominanztheorie“ ein komplett falsches Bild  von unseren Hunden haben.

Auszug aus dem Buch “Hundeverstand” von John Bradshaw (2012)
„Biologen wissen nun wesentlich mehr darüber, wie Hunde wirklich funktionieren, als dies noch vor zehn Jahren der Fall war. Diese neuen Erkenntnisse sind jedoch nur sehr langsam zu den Hundehaltern durchgedrungen und haben in der Tat das Leben der Hunde selbst noch nicht wesentlich verändert. Nachdem ich über 30 Jahre das Verhalten der Hunde studiert und auch in ihrer Gesellschaft gelebt habe, hatte ich das Gefühl, es sei an der Zeit, darzustellen, was der Hund wirklich ist: nicht die Karikatur des Wolfes im Hundepelz, bereit, seinen ahnungslosen Besitzer beim ersten Anzeichen von Schwäche zu dominieren, nicht der Trophäenjäger, der Schleifen und Auszeichnungen für seinen Züchter gewinnt, sondern der echte, der wahre Hund, das Haustier, das einfach nur ein Familienmitglied sein und das Leben genießen möchte.“

„Sinn und Zweck eines Hundes als Haustier ist doch, dass er unser Freund wird, nicht unser Sklave. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass dieser Trainingsansatz ursprünglich von Oberst Konrad Most stammte, einem Polizeibeamten und Pionier auf dem Gebiet des Hundetrainings. Dieser hatte vor über 100 Jahren die Behauptung aufgestellt, dass ein Mensch einen Hund nur dann kontrollieren kann, wenn der Hund von der körperlichen Überlegenheit des Menschen überzeugt ist. Er leitete diese Idee aus den Berichten zeitgenössischer Biologen über wilde Wolfsrudel ab. Zu dieser Zeit glaubte man, dass jedes Rudel von einem einzigen Wolf dominiert wird, der die anderen Wölfe einzig und allein dadurch kontrolliert, dass er bei ihnen Furcht erzeugt. Die Biologie, die zu dieser Zeit mein Beruf war, stand plötzlich im Widerspruch zu meinem Bauchgefühl, das mir sagte, wie meine Beziehung zu meinen Hunden eigentlich sein sollte. “

David Mech, der bekannteste Wolfsforscher, bereut inzwischen den von ihm erfundenen Begriff „Alphawolf“ (1970) und möchte diesen durch „Vater- und Mutterwolf“ ersetzen, da er zu so vielen Missverständnissen auch in der Hundeerziehung geführt hat.

Auszug aus einem Interview mit Dr. Juliane Kaminski, Max-Planck Institut und Uni Portsmouth/GB:
„Kein nicht-menschliches Lebewesen scheint so sensibel für menschliche Kommunikation und jede Art von Hinweisen vom Menschen zu sein wie der Hund. Der Mensch muss also nicht schreien oder in anderer Weise grob mit dem Hund umgehen, um von ihm verstanden zu werden. Wenn es in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund nicht klappt, liegt das sicher meistens eher an einer gestörten Grundbeziehung, also dem Menschen, aber nicht daran, dass der Hund mit der Kommunikation des Menschen nichts anfangen kann.“

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