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Wissenswert

Neueste Forschungsergebnisse bestätigen, dass die kognitiven Fähigkeiten der Hunde immer noch unterschätzt und oft missverstanden werden. Auch die Dominanztheorie, die seit zwei Jahrzehnten überholt und trotzdem in vielen Köpfen noch fest verankert ist, führt zu Methoden, die dem Hund schaden und das Vertrauen zu seinem Menschen untergraben.

Auszug aus einem Interview mit Dr. Juliane Kaminski, Max-Planck Institut und Uni Portsmouth/GB:
„Kein nicht-menschliches Lebewesen scheint so sensibel für menschliche Kommunikation und jede Art von Hinweisen vom Menschen zu sein wie der Hund. Der Mensch muss also nicht schreien oder in anderer Weise grob mit dem Hund umgehen, um von ihm verstanden zu werden. Wenn es in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund nicht klappt, liegt das sicher meistens eher an einer gestörten Grundbeziehung, also dem Menschen, aber nicht daran, dass der Hund mit der Kommunikation des Menschen nichts anfangen kann.“
Quelle: houndsandpeople.com

Die heutige Hirnforschung erklärt den Zusammenhang zwischen etwas „verstehen“ mit dem gleichzeitigen Erleben von positiven Gefühlen – wenn ein Kleinkind oder eben auch ein Hund sich bei neuen Erfahrungen wohlfühlt, werden die Lernprozesse im Langzeitgedächtnis gespeichert. Lernen ist abhängig von Erfolgserlebnissen! Das Gehirn benötigt mit bestimmten Lernerfahrungen immer wieder positive Erfahrungen und Gefühle, um das Gelernte nachhaltig zu speichern. Eine antiautoritäre Erziehung wird jedoch von der heutigen Wissenschaft ganz klar abgelehnt – Misserfolge sind beim Lernen ebenso wichtig, schliessen jedoch Gewalt, Druck und Strafe, wie in der „schwarzen Pädagogik“ praktiziert, ganz klar aus. Sowohl der Mensch als auch der Hund lernen besser, wenn sie sich dabei wohlfühlen!

Die geistigen Fähigkeiten der Hunde entwickeln sich über Lernprozesse, je mehr wir unseren Fellfreund mit spielerischem und motiviert aufgebautem Training fördern, umso öfter wird er dieses erwünschte Verhalten anbieten und umso besser wird seine Lebensqualität. Und die seines Menschen, denn Hundetraining kann und soll vor allem Spass machen! Ein Hund ist heutzutage kaum mehr in der Lage, seine ursprünglichen Bedürfnisse wie Jagen, Beschützen, Bewachen etc. auszuleben. Qualitätszeit mit regelmässigen, kurzen Lernsequenzen fördert die Weiterentwicklung, die Anpassungsfähigkeit des Hundes an seine Umwelt und vermindert das Risiko von Verhaltensauffälligkeiten.

Die Dominanztheorie – 100 Jahre alt und überholt
Der Hund will keineswegs in seiner Familie die Herrschaft übernehmen – er legt sich aufs Sofa, weil es bequem ist und er nahe bei seinen Menschen sein möchte, er drängt zur Tür hinaus, weil er sich freut und wahrscheinlich sein Geschäft erledigen möchte… Oft werden diese normalen Verhaltensweisen als „Dominanz“ bezeichnet.

John Bradshaw, einer der weltweit angesehensten Wissenschaftler forscht seit 30 Jahren an der Universität in Bristol England. Er beweist in seinem Buch, dass wir seit 100 Jahren durch die „Dominanztheorie“ ein komplett falsches Bild von unseren Hunden haben.

Auszug aus dem Buch “Hundeverstand” von John Bradshaw (2012)
„Biologen wissen nun wesentlich mehr darüber, wie Hunde wirklich funktionieren, als dies noch vor zehn Jahren der Fall war. Diese neuen Erkenntnisse sind jedoch nur sehr langsam zu den Hundehaltern durchgedrungen und haben in der Tat das Leben der Hunde selbst noch nicht wesentlich verändert. Nachdem ich über 30 Jahre das Verhalten der Hunde studiert und auch in ihrer Gesellschaft gelebt habe, hatte ich das Gefühl, es sei an der Zeit, darzustellen, was der Hund wirklich ist: nicht die Karikatur des Wolfes im Hundepelz, bereit, seinen ahnungslosen Besitzer beim ersten Anzeichen von Schwäche zu dominieren, nicht der Trophäenjäger, der Schleifen und Auszeichnungen für seinen Züchter gewinnt, sondern der echte, der wahre Hund, das Haustier, das einfach nur ein Familienmitglied sein und das Leben genießen möchte.“

„Sinn und Zweck eines Hundes als Haustier ist doch, dass er unser Freund wird, nicht unser Sklave. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass dieser Trainingsansatz ursprünglich von Oberst Konrad Most stammte, einem Polizeibeamten und Pionier auf dem Gebiet des Hundetrainings. Dieser hatte vor über 100 Jahren die Behauptung aufgestellt, dass ein Mensch einen Hund nur dann kontrollieren kann, wenn der Hund von der körperlichen Überlegenheit des Menschen überzeugt ist. Er leitete diese Idee aus den Berichten zeitgenössischer Biologen über wilde Wolfsrudel ab. Zu dieser Zeit glaubte man, dass jedes Rudel von einem einzigen Wolf dominiert wird, der die anderen Wölfe einzig und allein dadurch kontrolliert, dass er bei ihnen Furcht erzeugt. Die Biologie, die zu dieser Zeit mein Beruf war, stand plötzlich im Widerspruch zu meinem Bauchgefühl, das mir sagte, wie meine Beziehung zu meinen Hunden eigentlich sein sollte. “

Auch David Mech, der bekannteste Wolfsforscher, erklärt heute, dass er den in seinem ersten Buch erfundenen Begriff (aus dem Jahr 1970) „Alphawolf“ lieber ersetzen würde durch „Vaterwolf und Mutterwolf“. Die längst verworfene Theorie des Alleinherrschers, der mit Dominanz sein Rudel kontrolliert, führte auch zu den immer noch weit verbreiteten Missverständnissen in der Hundeerziehung.